FAKE-NEWS über die "Thermos"


Richtigstellung von falschen Behauptungen (neudeutsch: FAKE-NEWS) auf div. Webseiten zur Erfindung der "Thermos":

 

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Falsche Behauptung:

Der Name "Thermos", in der Literatur auch Thermoskanne oder Thermosflasche genannt, wurde durch ein Preisausschreiben bzw. durch einen Wettbewerb ermittelt, ein Münchner Einwohner soll 1906 den Namen vorgeschlagen haben. Besonders im englischsprachigen Raum und teilweise auch in deutschen Texten, wird die falsche Behauptung in Veröffentlichungen propagiert, die aber jeder Grundlage entbehrt.

Richtigstellung:

Der Name "Thermos" war eine Wortschöpfung von Reinhold Burger und wurde am 30. August 1904 unter der Nummer 71717, Aktenzeichen B 10554,  Klasse 29 patentrechtlich vom Kaiserlichen Patentamt als Warenzeichen geschützt (siehe auch sein Radiointerview zum 75. Geburtstag).


Falsche Behauptung:

Aus dem Weinholdschen Vakuum Mantelgefäß entstand die Idee zur Thermosflasche.

Richtigstellung:

Nach James Dewar existierten bereits ab 1874 die schon damals bekannten doppelwandigen "Dewar-Gefäße"  für Versuche in Laboren mit flüssigen Gasen (siehe "Liquid Air and Liquefaction of Gases" von 1900). Reinhold Burger hat diese einfachen Gefäße weiter entwickelt (hochevakuiert, versilbert...) und für die Firma von Linde (Produzent von flüssigen Gasen) gefertigt.  Zu Testzwecken verwendete er heisses Wasser, daraus entstand in einem weiteren Schritt die Idee der Thermoskanne. In seinem Patent zur Isolierflasche, später "Thermos", wurde James Dewar namentlich erwähnt (nach dem Stand der Technik). Das Patent wurde damals von Patentanwälten geprüft und am 1. Oktober 1903 erteilt.

Die Weinholdschen Vakuum-Laborgefäße dagegen waren vierwandig, unversilbert und dienten zur Quecksilberverfestigung bzw. zur Verflüssigung des Stickstoffes und nicht zum Aufbewahren von Flüssigkeiten für den allgemeinen Hausgebrauch (siehe Lehrbuch "Physikalische Demonstratio- nen" von 1881).

Weinhold hat nie für sich beansprucht, ein Isoliergefäß für den alltäglichen Bedarf erfunden zu haben.

Diese Idee, daraus eine hauswirtschaftlichen Gegenstand zu machen, wurde erst 1903 durch Reinhold Burger geboren, umgesetzt und entstand aus seinen eigenen Experimenten mit den doppelwandigen Mantelgefäßen.


Falsche Behauptung:

...ohne Wissen und Erlaubnis der Erfinder (gemeint waren Adolf F. Weinhold und James Dewar) experimentierte Burger an der Herstellung alltagstauglicher, doppelwandiger Vakuum-Glasgefäße auf Grundlage der mittlerweile als Dewar-Gefäß bezeichneten Behälter....

Richtigstellung:

Bis zum Zeitpunkt der Experimente mit doppelwandigen Gefäßen von Reinhold Burger lagen keine Patente oder Warenzeichenanmeldungen zu Vakuummantelgefäßen der o.g. Wissenschaftler vor.

Allgemein bekannt (und nicht patentiert) war -nach dem Stand der (damaligen) Technik- das sogenannte Dewar-Gefäß, als labortechnisches Gefäß zum Aufbewahren von tiefgekühlten Gasen oder Flüssigkeiten. Reinhold Burger brauchte also niemanden zu befragen oder sich eine Erlaubnis zu holen, um aus einem einfachen Laborgefäß ein hochevakuiertes Glasgefäße zum Aufbewahren von verflüssigten Gasen zu entwickeln, geschweige denn daraus -in einem weiteren Schritt- einen hauswirtschaftlichen und alltagstauglichen Gegenstand zu machen. Somit hat er gegen keine Regeln oder Patentrechte verstoßen. Die  Patentprüfung und die spätere Patentanmeldung zum Isoliergefäß (später Warenzeichenname "Thermos", siehe oben) haben das bestätigt.

Übrigens: Die ersten doppelwandigen Gefäße hatten bereits die alten Griechen und Römer in der Antike zum Kühlen von Wein erfunden.


Falsche Behauptung:

Durch den Verkauf seiner "Thermos-Gesellschaft m.b.H." mit allen seinen Rechten erhielt Reinhold Burger 495 000 RM.

Richtigstellung:

Reinhold Burger hat bereits am 14.06.1907 alle seine Rechte an der "Thermos-Gesellschaft m.b.H." an  seinen Firmenmitinhaber G. Paalen für 65.00ß M verkauft.

Damit ist er mit allen seinen Rechten und Pflichten aus der "Therm0s-Gesellschaft m.b.H." ausgeschieden!

Der Familie liegen entsprechende Originalnachweise vor.

Mit der späteren Umwandlung der "Thermos-Gesellschaft m.b.H." (Ende 1908/09)  in eine  "Thermos-Aktiengesellschaft" hatte er nichts mehr zu tun. Er erhielt auch kein Geld oder anderweitige Zuwendungen.

Außerdem wurden die 495.000 Mark nicht in Bargeld, wie überall behauptet, sondern in 495 Aktien mit einem Nennwert von 1000 Mark an die "Thermos-Gesellschaft m.b.H." gezahlt.


Falsche Behauptung:

...die deutschen Glasbläser Reinhold Burger und Albert Aschenbrenner: 1904 patentierten sie eine Vakuumflasche nach Dewars Idee für den Alltagsgebrauch. In einem Wettbewerb wurde ein Name gesucht... (Richtigstellung siehe oben).

Richtigstellung:

Reinhold Burger und nicht Albert Aschenbrenner hat sich 1903 und nicht 1904 die Vakuumflasche patentieren lassen.


Falsche Behauptung:

Reinhold Burger verkaufte 1907 das Patent der "Thermos" an die "American Thermos Bottle Co". USA.

Richtigstellung:

Die "Thermos-Gesellschaft" und nicht Reinhold Burger, ihm gehörte nur ein gewisser Anteil (nicht die Mehrheit) an der Gesellschaft, verkauften 1907  Lizenzen (Markenrechte) an div. Händler in aller Welt und an 3 Tochtergesellschaften:

 

"American Thermos Bottle Company" USA,

"Canadian Thermos Bottle. Ld." Canada-Montreal und

"Thermos Limited of Tottenham", England

 

und nicht das Patent.

 

Siehe Veröffentlichung vom 6. April 1911 in der Berliner Börsen-Zeitung (Morgenausgabe)

Im Artikel werden die amerikanischen Firmen "American Thermos Bottle Company" und "Canadian Thermos Bottle. Ld."  als Tochtergesellschaften bezeichnet.

 

Hier wird auch ein Prozess gegen das englische Thermos-Patent erwähnt, den vielleicht James Dewar (über 2 Instanzen) erfolglos geführt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1908/09 verkaufte die "Thermos-Gesellschaft m.b.H." Berlin ihre Markenrechte an die "Thermos-Aktiengesellschaft".  Mit diesem Verkauf gingen alle Patente und Rechte an die neue Aktiengesell- schaft.

Reinhold Burger war hier seit fast anderhalb Jahren nicht mehr beteiligt!


Leider lassen sich die falschen Behauptungen noch weiter fortführen...sie werden auch nicht wahr, wenn man sie tausendmal wiederholt...Es vor kurzen druckte eine große Berliner Tageszeitung (vom 01.12.2018), dass der Erfinder der Thermosflasche Herr von Linde heißt....