Die wahre Geschichte zur Erfindung der "Thermos"


(Hinweis: unterstrichene Wörter oder Texte sind verlinkt)

Aus heutiger Sicht war die Zeit um 1900  eine sehr spannende Periode  für  neue Erfindungen und Entwicklungen.  Zu praktikablen Ergebnissen kamen am schnellsten die „Tüftler“, die ihre Ideen selbst umsetzen konnten. Bei Reinhold Burger, meinem Großvater,  war das nicht anders. Die Glasverarbeitung hat er von der Pike auf gelernt. Als gelernter Glasinstrumentenmacher verfügte er über fundierte Fertigkeiten und Fachkenntnisse.

Nach 2 Amerikaaufenthalten  gründete er im Jahre 1894 zusammen mit seinem Companion Albert Aschenbrenner die Firma "R. Burger & Co." für chemisch-physikalische Glasinstrumente & Präzisionsapparate, die bis 1982 in Berlin-Pankow bestand. Aus den Preisverzeichnissen bzw. den Prospekten der Firma lässt sich die Vielfältigkeit der Versuchsapparaturen und Produkte nur erahnen. Über 20 Mitarbeiter arbeiteten bis zum ersten Weltkrieg in seiner Firma.

Geld verdiente Reinhold Burger hauptsächlich mit der Fertigung von Eigenentwicklungen, wie Thermometer, Glasapparaten, Instrumente, Geissler`sche Röhren, Röntgenröhren (ab 1896)  und mit Gerätschaften anderer Forscher und Entwickler, die er nach ihren Konstruktionsangaben fertigte und verbesserte. Kunden waren u.a. : die Herren Mac Leod,  Emil Fischer, Lilienfeld,  Adolf F.  Weinhold, Lange, James Dewar (London), von Maltzan, von Bardeleben, Cramer, C.A.F. Geißler und Philipp Lenard (späterer Nobelpreisträger), um nur einige zu nennen. Er lieferte weltweit seine Produkte an physikalische, chemische und meteorologische Institute, Labore und Universitäten. (z.B. die Technischen Hochschulen in Berlin-Charlottenburg, Dresden, Karlsruhe, München und Graz sowie Universitätsinstitute in  Frankfurt, Göttingen, Köln, Halle, Groningen, Genf, Genua, Moskau, Den Haag und New York). Nachweise dafür sind diverse Kataloge, Bestellunterlagen und der dazu gehörige Schrift- und Rechnungsverkehr.

Für Reinhold Burger entstand mit der Erfindung des Verfahrens zur Luftverflüssigung (1895) - verflüssigte Luft hat eine Temperatur von -194,5  °C  durch den Eismaschinenhersteller von Carl von Linde (1842-1934) - eine Erweiterung seiner Angebotspalette. Es wurden dringend Aufbewahrungsgefäße für die flüssige Luft benötigt, die es in der geforderten Qualität, Größe (Volumen), mit dem geringsten möglichen Temperaturverlust über einen längeren Zeitraum,  mechanischer Haltbarkeit (das betraf insbesondere die Glasqualität sowie Stabilität und der Versilberung gegen Wärmestrahlung...) noch nicht gab.

Reinhold Burger waren damals Isoliergefäße nach dem schottischen Chemiker und Physiker Sir James Dewar (1842-1923) bekannt.  

In einem Zeitungsinterview vom 11.10.1947, abgedruckt in der Zeitung "Der Sozialdemokrat", sagte er dazu: ...

 

"Der Engländer Dewar hatte bereits bei anderen Anlässen versucht, ein Isolationsgefäß herzustellen. In eine große Glasröhre hängte er eine kleinere, verkittete die beiden oberen Ränder und saugte die Luft aus diesem Doppelwandgefäß. Für unsere Zwecke war diese Konstruktion viel zu unvollkommen."

 

 

 

 

 

Bild: Dewar-Gefäß 1892

Die oberen Ränder waren verkittet


Bereits die Römer und Griechen kühlten in der Antike in diesen doppelwandigen Gefäßen ihren Wein mit Brunnenwasser oder Eis. Das Kühlmittel wurde in das äußere Gefäß geschüttet...

 

 

 

Bild: Psykter-Gefäß aus der Antike


Reinhold Burger hatte noch keinen Auftrag von Carl von Linde, begann aber schon 1895 mit den damals  bekannten Isoliergefäßen zu experimentieren, diese weiter zu entwickeln und durch viele Versuche bis zur Labortauglichkeit zu bringen. Ein Ausgießen der aufbewahrten Flüssigkeiten war   nur über sogenannte Heber möglich (siehe auch "Einige Unikate aus seiner Glasbläserwerkstatt"), da sonst der dünne Hals durch die Schwere der Flüssigkeit beim Kippen abbrach. Es waren nur senkrecht  stehende Gefäße in Halterungen. Im Jahre 1898 kam durch viele Versuche eine haltbare Versilberung des Glases hinzu, um den Wärmeverlust weiter zu minimieren.
Er konstruierte und fertigte sich eine eigene Evakuierungsanlage für seine Versuche und für die Herstellung seiner doppelwandigen Gefäßen.

Für die Erzeugung eines Hochvakuums in den doppelwandigen Gefäßen wurden neben den üblichen Verfahren (Quecksilberhochvakuumpumpen, erreichbares Vakuum  ≤ 10-6 Torr) zusätz- lich mit hohen Temperaturen gearbeitet. Gleichzeitig wurden die zu evakuierenden Gefäße erhitzt. Das war seine Innovation in der damaligen Zeit. Denn andere Firmen haben nie ein so exzellentes Hochvakuum erreicht.

Von Linde hat die Gefäße von Reinhold Burger erprobt und beauftragte ihn mit der Serienfertigung. Patentieren konnte man sich das Prinzip nicht mehr (es war damals schon Stand der Technik).

Dazu schrieb eine Tageszeitung anlässlich seines 85. Geburtstages 1951:

 

"Als Prof. Carl von Linde im Jahre 1896 eine Maschine zur Herstellung flüssiger Luft erfunden hatte, hatte man keine Gefäße, um flüssige Luft aufzubewahren. Sogleich schickte Burger verschiedene zwischen ihrer Doppelwandung luftleere Gefäße, die für den Zweck geeignet waren nach München. Darüber waren die Mitarbeiter von Linde sehr aufgebracht und schrieben zurück, er habe sich nicht in ihre Angelegenheiten einzumischen. Als Linde aber Versuche mit den Gefäßen gemacht hatte, fand er sie ausgezeichnet und schloß mit Burger einen Liefervertrag ab. Anschließend erhielten fast alle Institute, die flüssige Luft verwendeten, die doppelwandigen Gefäße von Burger".

 

Zur Erfindung der Thermosflasche ist es nur gekommen, weil Reinhold Burger nicht über flüssige Luft für seine Versuche verfügte. Die zu dieser Zeit vorhandenen Gefäße ermöglichten keinen Transport über eine längeren Zeitraum.

In einem Zeitungsinterview der "Neue Berliner Illustrierte" vom 02.12.1969 erinnerte sich der Sohn Siegmund Burger:

 

"Die Gütekontrolle sah so aus, dass er abends etwa 10 Gefäße statt mit flüssiger Luft mit kochendem Wasser füllte und am Morgen die Temperatur maß. Hierbei kam mein Vater auf die glänzende Idee: Wenn ich kochendes Wasser nehme, dann geht es doch auch mit Kaffee ...!"

 

Es war - wenn man so will - eine Zufallserfindung.

 

Die Vorarbeit von James Dewar (1842-1923), als Grundlage für die Weiterentwicklung zum Isoliergefäß, findet in Reinhold Burgers Patent Erwähnung. (1. Patent: DRP (Deutsches Reichs- patent) 170057, heute DE 170057, "Gefäß mit doppelten einen luftleeren Hohlraum einschlie- ßenden Wandungen". Angemeldet am 1. Oktober 1903, veröffentlicht am 25. April 1906, Anmelder Reinhold Burger.  Sein Patentanspruch waren Asbestabstützungen, aufgebracht auf einer Drahtummantelung zwischen beiden evakuierten Glaswandungen. Es bestand damit eine feste Verbindung zwischen den Glaskörpern im unteren Bereich. Jetzt waren ein Ausgießen sowie der Transport der Flasche mit Flüssigkeiten möglich, ohne das der Flaschenhals abbrach. Parallel dazu, ließ er sich verschiedene Verschlüsse und äußere Umhüllungen für die doppelwandige Flasche patentieren (siehe unteres Bild).

Sie war jetzt leicht zu händeln und gebrauchsfähig. Beim Kippen ging keine Flüssigkeit daneben und durch die Umhüllung war sie stabil und haltbar.

 

Bild: Auszug aus seinem Patent von 1904; Nr. 4421

Die Flasche ist mit einem Korken abgedichtet und hat an der Außenhülle einen Trageriemen.

 

Im 30. August 1904 ließ er sich auch seine eigene Namensschöpfung "Thermos" für die Isolierflasche als Warenzeichen weltweit unter der Nummer 71717  in die Zeichenrolle des Patentamtes eintragen und damit schützen, Aktenzeichen B 10554 Klasse 29 (siehe Startseite).
Sein Patent und den  Markennamen "Thermos" ließ sich auch die spätere "Thermos Gesellschaft m.b.H." in allen Industrieländern schützen.

Jegliche spätere juristische Anfechtungen hatten keine Grundlage mehr.

 

Eine Idee mit großem Effekt,  die daraus erst einen alltagstauglichen, hauswirt- schaftlichen Gebrauchsgegenstand machte!

Aber auch hier gilt auch der Spruch: 

Der Erfolg hat viele Väter ..., denn wer hätte sie nicht auch gerne erfunden.

 

Bereits 1904 begann seine  Fa. "R. Burger & Co." Thermosflaschen zu produzieren und zu verkaufen und präsentierte sie u. a. erfolgreich auf  Kongressen, Messen, Industrieausstellungen, Weltausstellungen, wie z.B in St. Louis 1904 und auf der Internationalen Ausstellung in Mailand 1906. Seine Produkte erhielten Diplome, Grand Prix und Gold- und Silbermedaillen.

Die ersten Thermosflaschen ließen sich anfangs schwer verkaufen. Die "Thermos" war neu auf dem Markt und die ersten Verkaufsgeschäfte und Warenhäuser wollten die Neuheit nur in Kommission nehmen. Viele lehnten auch die Erfindung als einmalige Modetorheit ab. Eine Produktwerbung, so wie wir sie heute kennen, hatte es noch nicht gegeben. Es gab allerdings schon damals, heute würde man sagen "Erfindermessen", wo neue Produkte der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Neben der Waschmaschine, der Kaffeemaschine  und dem Staubsauger wurde auch die Thermosflasche als Neuheit präsentiert. Die Firma "P. Raddatz & Co. GmbH" und andere Anbieter führten dazu  Veranstaltungen in Berlin durch.

Bisher wurden die Thermosflaschen in den Räumen unter seiner Fa. "R. Burger & Co." produziert. Die Thermosfertigung gehörte aber nicht zu seinem Kerngeschäft, darum gründete er 1906 mit 2  Teilhabern (Gustav Paalen und Albert Aschenbrenner) eine weitere Firma: die "RaRa-Gefäße-GmbH" (was mit der RaRa Abkürzung gemeint ist, wissen wir nicht), die ein paar Monate später in die "Thermos-Gesellschaft m.b.H." umgewandelt wurde. Damit traf der Firmenname auch das Produkt der Vermarktung.

Ab 1906/1907 verkaufte die "Thermos-Gesellschaft m.b.H." weltweit Lizenzen (kein Patentverkauf) zur Fertigung und zum Vertrieb der "Thermos" an Händler und u. a. an die neu gegründeten Tochtergesellschaften:

 

"American Thermos Bottle Company" USA,

"Thermos Limited of Tottenham", England und

"Canadian Thermos Bottle. Ld." Canada-Montreal.

 

Die Firmen agierten eigenständig im Rahmen des Lizenzvertrages.

Mr. William Walker, der spätere Präsident der "American Thermos-Bottle Co."  und Gustav Paalen  (auch Mitbegründer der "Thermos-Gesellschaft m.b.H." und weiterer Firmen), gründeten  im Januar 1907 die "American Thermos-Bottle Co." in New York, Brooklyn.

Ab 1906/07  wurden die ersten Thermosflaschen aus Deutschland u. a. in die USA und alle Industrieländer der Welt exportiert und durch Händler (in Lizenz) verkauft. Siehe auch Geschäftsbericht von der General-Vollversammlung der "Thermos-Aktiengesellschaft" vom 06.04.1911.

 

Aus für uns unerklärlichen Gründen trat Reinhold Burger am 13. Juni 1907, kurz vor seiner Geschäftsreise in die USA, als Geschäftsführer und Gesellschafter der "Thermos-Gesellschaft m.b.H." zurück und verkaufte alle seine Rechte an den Firmenmitinhaber Gustav Paalen für 65.500 M. In unserer Familie wurde über die Gründe nie gesprochen.

Seine Arbeiten mit der Verbesserung der "Thermos" gingen aber weiter. Patente wurden dazu in den USA und anderen Staaten angemeldet und erteilt.

Für die "American Thermos Bottle Company" begann er von Juni bis September 1907 -entsprechend der Lizenzvereinbarung - die Grundlagen für die erste Thermosflaschen Fabrik in New York-Brooklyn zu schaffen. Wie wir aus seinen persönlichen Briefen an seine Frau entnehmen konnten, wurden die dazu notwendigen Maschinen aus Deutschland importiert.

Die finanzielle Entschädigung für seine Aufwendungen entsprachen keineswegs der vereinbarten Höhe (in der Familie wurde berichtet, dass er statt der 100.000 Dollar nur 10.000 Dollar erhielt), so dass Reinhold Burger enttäuscht von den amerikanischen Geschäftsmethoden nach Deutschland zurückkehrte. Der Kontakt zum Präsidenten der "American Thermos Bottle Co." ist trotzdem nicht abgerissen.Wie in der Familie berichtete, lehnte Reinhold Burger lukrative Angebote ab, sich  in den USA oder der Schweiz niederzulassen.

 

Ab Juli 1909 warb die "American Thermos Bottle Company"  erstmals mit der "Thermos". Noch waren es Produkte aus Deutschland.

 

Erst ab 1910/11 wurden in beiden amerikanischen Tochtergesellschaften die ersten Thermosflaschen gefertigt.

 

Drei Jahre haben die Amerikaner an einer optimalen Fertigung experimentiert, wie sie es in einer Zeitungswerbung vom 19.03.1911 im "Evening Star" formulierten, ehe die ersten Flaschen auf den amerikanischen Markt kamen. Sie haben  die "Thermos" z.B. in einem Picknick Set für Familien angeboten und das in einer unglaublichen Vielfalt und Varianten.

Es war damals schon so wie heute, dass sich aus dem Stand solch eine Produktion nicht realisieren lässt.

Die beginnende Mobilität der Amerikaner, z. B. durch den Autobauer Ford, war ein Glücksfall für die Vermarktung der "Thermos" und schufen einen großen Bedarf  für Fahrten ins Grüne. Die "Thermos" in allen Variationen kam hier gerade recht.

Gleichzeitig starteten die Amerikaner eine riesige Werbecampange in der Tagespresse.  Die Serien- fertigung ermöglichte bald einen Preis ab unter einem Dollar.

Rückblickend erschien in einer ganzseitigen Ausgabe im "Norwich bulletin" am 3. Februar 1912 ein Artikel unter der Überschrift "WE WANT THE PEOPLE OF NORWICH TO KNOW ALL ABOUT THERMOS".  Hier schreibt der Präsident der "American Thermos Bottle Co." über Reinhold Burger und die "Thermos"und nennt ihn im Text "Professor" Reinhold Burger. Auch in einem persönlichen Brief aus New York von 1907 an seine Frau Charlotte fanden wir diese Formulierung. Er schreibt an sie: "...die Mitarbeiter nennen mich hier Professor....".

Wohl eine besondere Ehre für seine Leistungen!

 

 

Bild: General Offices der ersten Thermosfabrik in New York- Brooklyn,  aus "The Washington Times", 05. Dezember 1920

 

1912/13 eröffneten die Amerikaner die bis dahin größte Thermosfabrik der Welt in Norwich Con- necticut mit bis zu 1000 Mitarbeitern. Millionen Thermosflaschen wurden in den Folgejahren in den USA in Serie gefertigt und verkauft.
  

Aber zurück nach Deutschland:

Hinsichtlich der Werbung war die  "Thermos-Gesellschaft m.b.H." von Anfang an auf sich alleine gestellt. Warenhäuser, wie z.B. das KaDeWe in Berlin,  warben  nachweisbar nicht in Anzeigen mit der "Thermos", hatten sie aber in ihrem Sortiment!

 

Bild: Thermoswerbung aus "Berliner Tageblatt" vom 24.11.1908

 

Trotzdem lief das Geschäft gut.

Thermosflaschen Lieferungen im großen Umfang an die beiden Tochtergesellschaften in den USA, nach England und nach den anderen Staaten zwangen die "Thermos-Gesellschaft m.b.H." zu neuen Investitionen. Bis Ende 1908 versuchte die "Thermos-Gesellschaft m.b.H." über Zeitungsannoncen im "Berliner-Tageblatt" Geldgeber zu finden - wohl erfolglos.

Die permanenten Patentstreitigkeiten führten zu Anzeigen (Gegendarstellungen) in der Presse, um sich gegenüber der "Konkurrenz" durchzusetzen, was wiederum den Gewinn erheblich schmälerte.

Dazu stand am 24. Mai 1909 im "Hamburgischer Correspondent" auf der Seite 16:

 

...Der Reingewinn dieser Gesellschaft betrug 1907  207.945 M und 1908  48.208 M. Der Gewinnrückgang wird mit den ungeheuren Reklamekosten begründet, die von 20.000 M auf 139.000 M stiegen....

 

Erst mit Gründung der  "Thermos-Aktiengesellschaft" kam neues Kapital in die Firma.

Die "Thermos-Gesellschaft m.b.H." erhielt als Gegenleistung für den Verkauf die Summe von 495 vollgezahlten Aktien a 1000 M und nicht 495.000 Mark (siehe dazu auch Abendausgabe der Berliner-Börsen-Zeitung No. 368 vom 9. August 1909, Seite 15)!

Die Marken- und Patentrechte gingen mit dem Verkauf an die neu gegründete Aktiengesellschaft.

Die Fertigung musste vergrößert und modernisiert werden. Die bisher genutzten Räumlichkeiten in der Fa. "R. Burger & Co." reichten nicht mehr aus. Neue Produktionsstätten wurden in Berlin eingerichtet.

Reinhold Burger war an diesem Verkauf  schon nicht mehr beteiligt und erhielt auch keine Aktien oder Geldzuwendungen, da er die Firma bereits anderhalb Jahre zuvor verließ.

Bis in die 30iger Jahre musste sich die "Thermos-Gesellschaft m.b.H.", (die dann nur noch auf dem "Papier" existierte) bzw. die "Thermos-Aktiengesellschaft" mit div. Firmen, die die "Thermos" unter anderen Namen oder auch unter dem geschützten Namen "Thermos" verkauften,  gerichtlich auseinander setzen.

Bis 1924 hat sich  Reinhold Burger  mit der Verbesserung seiner Thermosflasche beschäftigt. Auch dazu wurden von ihm weitere Patente eingereicht, beantragt und erteilt (siehe Patente).

Ab 1925 steigt Reinhold Burger erneut ins Thermosgeschäft ein und gründet mit 2 Teilhabern die "Thermobest GmbH".  Auch hier war Gustav Paalen einer der Mitbegründer. Die Firma hatte sich auf flache Thermosflaschen spezialisiert.

Die "Thermos" ist sein Kind geblieben.

 

Seine Idee und der Name "Thermos" sind heute weltweit in fast allen Haushalten und Firmen zu finden und nicht mehr wegzudenken. 

 

Eine Konferenz, eine Sitzung in einer Firma, ein Frühstück im Hotel, eine Baustelle ... - ohne Thermoskanne - findet eigentlich nicht statt.


In einem Radiointerview -anlässlich seines 75. Geburtstages 1941- sagte Reinhold Burger damals:

"...Die Erfindung der Luftverflüssigung gab mir Gelegenheit, diese Isolierflaschen weiterhin zu verbessern, die die Aufgaben hatten, die Licht- und Wärmestrahlung auf ein Mindestmaß zurückzuführen. Da diese und jene Flaschen nicht den Anforderungen genügten, so prüfte ich in Ermangelung von flüssiger Luft die Brauchbarkeit der Gefäße mit heißem Wasser. Dabei kam mir der Gedanke, dass man stattdessen auch Getränke verwenden könne. Ich nahm eine Reihe von mir hergestellter kleiner kugelförmiger Gefäße und füllte sie mit heißem Kaffee, Tee, Milch und dergleichen. Noch nach 24 Stunden waren die Getränke so gebrauchsfertig, als wären sie eben erst hergerichtet worden ... da jedes Kind nun einmal einen Namen haben muss, so gab ich dieser doppelwandigen Flasche  den Namen Thermos, das bedeutet etwa Wärmeträger....."

 

 

Bild: Kleine kugelförmige Originalgefäße zur späteren Thermosflasche, mit denen Reinhold Burger die Versuchsreihe begann. Die Geburtsstunde der "Thermos"!

 

Auf der Webseite des Burger-Museums Glashütte können sie ein Radiointerview von Reinhold Burger zur Erfindung der Thermos und seiner Neuentwicklung zur Elektrotherapie, anläßlich seines 75. Geburtstages vom 12. Januar 1941,  hören.          


Wenn man sich den späteren Riesenerfolg der "Thermos" in der Welt anschaut, dann stellt sich man sich schon die Frage: Warum hat Reinhold Burger die "Thermos-Gesellschaft m.b.H.", die 1907 einen sehr guten Reingewinn (207.945 M) erzielt hat,  wieder verlassen und alle seine Rechte verkauft

Über die wahren Gründe können wir allerdings nur spekulieren.

Auf der einen Seite kämpfte er für die Patentierung seiner Idee und seines Namens "Thermos" und auf der anderen Seite verlässt er ad hoc seine erst vor anderthalb Jahren gegründete Firma.
Er erhielt hohe Anerkennungen durch Auszeichnungen auf Weltausstellungen, Messen und Kongressen. Der Firma ging es wirtschaftlich gut. Die "Thermos" war erfunden und hat sich bis heute nur im Design verändert. Am Prinzip war nichts mehr zu verbessern. Die "Thermos" war für ihn wohl nur noch ein Produkt der Vermarktung! Außerdem gab es div. Patenstreitigkeiten mit Nachbauten der Thermos, die auf der einen Seite Anwaltskosten und auf der anderen Seite wohl Nerven und Zeit kosteten. Vielleicht brauchte er das Geld aus dem Verkauf für seine erste Firma "R. Burger & Co." und seine weiteren Pläne, vielleicht kamen aber auch familiäre Gründe dazu.

Einen Riesenerfolg mit der "Thermos" erzielte auch die "Thermos-Aktiengesellschaft" nicht. Das zeigten die Berichte des Vorstandes ab 1910 in der damaligen Tagespresse (Berliner-Börsenblatt).

Der erste Weltkrieg mit allen seinen Folgen, die Inflation und der Rückgang der Preise, infolge des starken und billigen Angebotes der Konkurrenz, sorgten immer wieder für einen Gewinnrückgang.

Eine wirklichen Riesenerfolg erzielten die Amerikaner. Hier gab es einen großen Markt, den Europa nicht hergab. Das Land konnte mit den neuen Autos von Ford bereist werden und dazu waren die Thermosflaschen im Picknickkoffer hervorragend geeignet.


Bei Wissen vor Acht: Warum bleibt in der Isolierkanne Heißes Heiß-wird die Funktionsweise der Isolierkanne anschaulich durch Ranga Yogeshwar erläutert


DW-TV Deutsche Welle: Youtube-Video über die Herstellung der Thermos, u.a. sind Ausschnitte aus einem Radiointerview vom damaligen Deutschlandsender vom 12. Januar 1941 zu hören.